Seedruckleitungen Ossiacher See

Veranlassung und Sanierungsvorschlag

Die Wasserqualität des Ossiacher Sees hatte sich in den Jahren 1964 bis 1967 durch die Einleitung von bestenfalls mechanisch gereinigtem Abwasser drastisch verschlechtert, sodass klar wurde, dass die aus der Stadt Feldkirchen und den am Ossiacher See liegenden Ortschaften stammenden häuslichen Abwässer vom See ferngehalten werden mussten. Zum damaligen Zeitpunkt war in der Abwasserreinigung  die Entfernung von Kohlenstoffverbindungen aus dem Abwasser Stand der Technik, die Entfernung der den Ossiacher See stark belastenden Nährstoffe Stickstoff und besonders Phosphor war in der Abwasserreinigung nur wissenschaftlich erforscht, wurde aber in der Praxis nur in Sonderfällen angewendet; diese chemischen Reinigungsverfahren beließen nach wie vor eine Restfracht von Nährstoffen im geklärten Abwasser. Die Ziviltechniker Hausleitner-Kauderer-Lengyel schlugen daher bereits in der Studie 1968 und im Sanierungskonzept 1969 zwei technische Grundsätze vor, welche eine 100% Fernhaltung der aus dem Abwasser stammenden Nährstoffe vom Wasserkörper des Ossiacher Sees vorsahen:

  • Ableitung des gereinigten Abwassers der Kläranlage Feldkirchen aus dem Einzugsgebiet des Ossiacher Sees durch Überpumpen des Kläranlagenablaufes über die Wasserscheide in das Einzugsgebiet der Glan ( ca. 2,3 km Druckleitung mit ca. 24 m geodätischem Höhenunterschied).
  • Ableitung des Abwassers der Ortschaften am Seeufer zu einer Kläranlage westlich des Ossiacher Sees oder zur geplanten Kläranlage der Stadt Villach.

Technischer Lösungsvorschlag

Da die Schwerpunkte des Abwasseranfalles am Ufer des Ossiacher Sees naturgemäß auf derselben Ebene lagen, war eine Ableitung des Abwassers zum Westende des Sees nur mit einem System aus Pumpstationen und Druckleitungen möglich. Eine Verlegung der Druckleitungen am Lande hätte neben der Zustimmung aller betroffenen Grundeigentümer auch eine lange Bauzeit benötigt. Die Zivilingenieure schlugen daher die Verlegung von verschweißten Kunststoffrohren am Boden des Ossiacher Sees vor; diese Verfahren war bislang nur für Transportleitungen von Trinkwasser angewendet worden. Die Seedruckleitungen verbinden neun Hauptpumpstationen bei den Siedlungsschwerpunkten mit dem Anlandungsschacht am Westende des Ossiacher Sees. Vom Anlandungsschacht weg fließt das gepumpte Abwasser im freien Gefälle zur Kläranlage Villach, wo es entsprechend dem Stand der Technik gereinigt in die Drau eingeleitet wird.  Die Pumpstationen und Druckleitungen wurden 1970 errichtet und konnten 1971 bereits in Betrieb gehen. Die Schmutzwasserkanalnetze an Land wurden bis 1976 fertiggestellt und werden seither nach Bedarf erweitert und verdichtet.

Ausführungskonzept

Am Nordufer des Ossiacher Sees sind 2 Pumpketten mit Doppelleitungen für 6 Hauptpumpstationen installiert; vom Südufer pumpt 1 Station über eine Doppelleitung zum Nordufer, 2 Stationen pumpen über je eine Leitung direkt zum Anlandungsschacht.

Die Druckleitungen werden bei den Hauptpumpstationen an Land geführt,  wo das dort durch die Ortskanalisation gesammelte Abwasser von der jeweiligen Pumpstation in die Druckleitung dazugepumpt wird. Die Pumpenkette am Nordufer ist in der Mitte bei der Pumpstation D - Tschöran unterbrochen.  In diese Pumpstation fließen die aus A - Steindorf, B - Stiegl, C - Bodensdorf und J - Ossiach kommenden Druckleitungen frei aus. Die Pumpstation D - Tschöran pumpt das Abwasser zum Anlandungsschacht, die Pumpstationen E - Sattendorf und F - Annenheim pumpen in die vorbeiführenden Druckleitungen hinein. Die Stationen G - Lido und H - Heiligen Gestade am Südufer pumpen direkt in den Anlandungsschacht.  In der ersten Ausbaustufe waren nur Einzelleitungen vorgesehen, die zweiten Leitungen am Nordufer sollten nach Fertigstellung der Ortskanalisation umgesetzt werden.

Insgesamt sind im Ossiacher See ca. 27,7 km Seedruckleitungen verlegt.

Technische Umsetzung

Leitungen aus Polyäthylen sind flexibel, glatt, sehr widerstandsfähig und können verschweißt werden. Der Werkstoff ist sehr zäh, die Rohre können nur durch hohe Temperaturen oder durch scharfe Gegenstände (Werkzeuge oder spitze Steine in Verbindung mit Bewegung) zerstört werden. Da das Material leichter ist als Wasser, schwimmen die Leitungen,  auch wenn sie vollständig mit Wasser gefüllt sind. Um sie am Seeboden zu liegen zu bringen, müssen die Leitungen mit Gewichten ballastiert werden; die Beschwerung wurde so gewählt, dass die Leitungen durch Füllen mit Luft wieder aufgeschwommen werden können.  In der ertsen Ausbaustufe (1970) wurden die Rohre in 50m langen Stangen per Eisenbahn antransportiert und nachts (bei ruhendem Bahnbetrieb) auf der Strecke ausgeladen; die Rohre wurden an Land im Bleistätter Moor verschweißt, ballastiert und über die Tiebel in den See eingeschwommen; nachdem sie durch Motorboote richtig plaziert waren, wurden die Leitungen durch Füllen mit Wasser auf den Seegrund abgesenkt; dies ist nur durch die Flexibilität der Leitungen möglich.

In der 2. Ausbaustufe (1978, Bau der Doppelleitungen) wurden die Rohre vor Ort mit einer mobilen Extrusionsanlage „endlos" produziert; dadurch verringerte sich die Anzahl der erforderlichen Schweißnähte wesentlich, da in Abhängigkeit von der Standzeit des Extrusionswerkzeuges bis zu 300 m lange Rohre erzeugt werden konnten. Alle Leitungen wurden im Anlandungsbereich auf 100 % des Auftriebes, im Kurvenbereich auf 80 % des Auftriebes und auf geraden Strecken auf 50 % des Auftriebes ballastiert; weiters wurden die Rohre über Fixpunkte und Seile am Bogenanfang, Bogenscheitel und Bogenende fixiert, sodass zwar ein Aufschwimmen der Rohre durch Einblasen von Druckluft möglich ist, die Rohre aber beim anschließenden Fluten wieder annähernd dieselbe Lage am Seegrund einnehmen.

Betriebssicherheit und Reparaturen

Im Betrieb werden die Rohre nicht besonders stark beansprucht, da durch die Pumpen nur der Druck zur Überwindung der Reibungsverluste aufgebracht werden muß; eine größere Beanspruchung stellen eventuell erforderliches Heben und Absenken der Leitungen sowie Druckprüfungen dar. Um die Alterung der Rohre durch Druckprüfungen zu vermeiden, wird die Dichtheit der Rohre durch den Vergleich der Mengenmessungen bei den Pumpstationen und dem Anlandungsschacht ständig überwacht. Bislang gab es keine großen Rohrbrüche, welche zu einem Ausfall der Druckleitungen geführt hätten, wohl aber gab es kleinere Verletzungen von Rohren besonders im Anlandungsbereich durch Auflagerung auf spitzen Steinen oder bei Wanddurchführungen im Beton, wobei diese Beschädigungen bei Bauwerken durch Aufqualmen von Wasser beim Pumpvorgang oder durch einen ständig geringen Abfluss bei den Ausläufen in der Zeit bei Pumpenstillstand  bemerkt werden konnten. Reparaturen waren durch Ersatz der fehlerhaften Stellen leicht möglich. Im Bereich des Anlandungsschachtes wurden nach ca. 35 Jahren Betriebszeit das Schachtbauwerk und ca. 300 m des abführenden Kanals wegen der starken Betonkorrosion durch das in den Druckleitungen anfaulende Abwasser erneuert; ebenso mußten die Pumpstationen saniert werden; dabei wurden die elektrischen und elektronischen Bauteile erneuert; die verwendeten Abwassertauchpumpen werden regelmässig gewartet; ein Ersatz der 1970 angeschafften Pumpen war noch nicht erforderlich. Das System als Ganzes hat sich als sehr betriebssicher und zuverlässig herausgestellt und fördert pro Jahr ca. 1,1 Mio. m³ Abwasser.

 

Störungsdienst

24-Stunden Störungsdienst-Bereitschaft

Außerhalb der oben angeführten Öffnungszeiten steht für Kanalverstopfungen, beschädigte Schachtabdeckungen und Störungsbehebungen bei Pumpstationen der Bereitschaftsdienst des Verbandes jederzeit zur Verfügung:

Kontakt

Wasserverband Ossiacher See
Rabensdorf 45
9560 Feldkirchen i.K.

Tel.:  + 43 4276 2260
FAX: + 43 4276 2260 16
E-Mail: verwaltung@wvo.at

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